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  • Einführung
  • Was ist eine Schildkröte
  • Schildkröten sind Reptilien
  • Haustiere/Minischildkröten
  • Haltungsansprüche
  • Jahreszeiten
  • Ernährung
  • Freigehege/Terrarien
  • Kosten
  • Artenvielfalt I
  • Artenvielfalt II
  • Vergesellschaftung
  • Rechtliches
  • Erwerb I
  • Erwerb II
  • Ableben
  • Danksagung

Was erwartet Sie auf den folgenden Seiten?

 

Wir werden versuchen, Ihnen einen einfachen Einstieg in die Welt der Schildkröten und ihrer Haltung zu ermöglichen. Das Internet bietet heute eine nahezu unübersehbare Vielzahl von Informationen zum Thema Schildkröte. Wie in einem dezentralen System üblich, finden sich diese auf den verschiedensten Webseiten, in den verschiedensten Detailgraden und Ausprägungen. Dem Einsteiger, aber auch dem Fortgeschrittenen, wird es hierdurch sehr schwer gemacht, sich einen Überblick zu verschaffen. Oder aber er verbringt sehr viel Zeit vor dem PC, um sich die notwendigen Informationen zu beschaffen. Aber nirgendwo wird dem Interessierten ein umfassender Überblick zu diesem Themenkomplex gewährt.

Diesem Missstand wollen wir mit unserer Webseite abhelfen. Auf den folgenden Seiten werden wir versuchen, Ihnen in einer bisher nicht vorhanden Umfänglichkeit Informationen zu Schildkröten, deren Beschaffung, Pflege und Zucht zur Verfügung zu stellen. Auch Aspekte wie Behörden, Krankheit und Tod der Tiere gehören zum Themenspektrum dieser Seite.

 

Die allgemein zugängliche Literatur zu den verschiedenen Themenbereichen können Sie über unsere Literatur-Datenbank finden.

 

 

Wie können Sie mit diesen Seiten arbeiten?

 

Der Aufbau der Seiten orientiert sich am „Lebenszyklus der Schildkröte in der Hand des Pflegers“. Dieser beginnt gewöhnlich mit der Idee, eine oder mehrere Schildkröte(n) zu pflegen und eventuell zu züchten. Detailinformationen zu speziellen Themen sind durch Verlinkungen eingebunden.

Daher beginnt dieser Artikel mit grundlegenden Informationen zu Schildkröten.

Was ist eigentlich eine Schildkröte?

 

Die Schildkröten (Testudinata, Testudines, ehemals auch Chelonia) gehören zu der Ordnung der Reptilien (Reptilia) und erschienen erstmals vor mehr als 250 Millionen Jahren im Keuper (Obertrias).
Man unterscheidet knapp 300 Arten mit über 450 Unterarten. Die Schildkröten haben sich den unterschiedlichsten Biotopen und ökologischen Nischen angepasst. Die Spanne reicht dabei von mediterranen und (sub)tropischen Landschildkrötenarten, Gopher- und Wüstenschildkröten, den besonders zahlreichen kleineren Wasser- und Sumpfschildkrötenarten in Nordamerika und Südostasien über groß werdende Fluss-Schildkröten in Südamerika, Riesenschildkröten einiger Inselgruppen, Weichschildkröten in Asien und Schlangenhalsschildkröten in Australien bis hin zu den größten, den Lederschildkröten, die neben den Meeresschildkröten eine eigene Familie bilden. Schildkröten sind wechselwarme, eierlegende Kriechtiere (Reptilia) und waren bereits auf der Erde, bevor sich Dinosaurier entwickelten. Ihre nächsten Verwandten im Tierreich sind die übrigen rezenten Reptilienarten und Vögel. Die Anpassungsfähigkeit der Schildkröten hat ihr Fortbestehen bis in die heutige Zeit sichern können. Durch menschliche Einflüsse ist diese Tiergruppe aber heute zum großen Teil akut bedroht. (Quelle : Wikipedia, Artikel Schildkröten)

 

 

Schildkröten sind wechselwarme Tiere

 

Anders als die in aller Regel gehaltenen Haustiere wie z.B. Hamster, Hund, Katze oder Meerschweinchen sind Schildkröten keine warmblütigen Säugetiere, sondern Reptilien. Daher ist es notwendig, einige Aspekte und Faktoren die Haltung betreffend zu kennen, um eine vernünftige Pflege zu gewährleisten. Landschildkröten sind, wie alle Reptilien, wechselwarm (poikilotherm) und können ihre Körpertemperatur nicht wie Säuger es können, selber regeln, sondern sind auf externe Wärmequellen wie zum Beispiel die Sonne angewiesen, um mit Hilfe der Sonne ihre Körpertemperatur selbst zu regeln. Die Körpertemperatur passt sich also der Umgebungstemperatur an.

 

 

 

Schildkröten sind Reptilien

 

Von Echsen und Schlangen ist es ja größtenteils bekannt, dass sie ihre Haut von Zeit zu Zeit abstreifen. Schildkröten haben einen Panzer. Dieser besteht aus lebendem Knochengewebe (Knochenplatten), welches mit Wirbelsäule, Rippen, Schulter und Beckengürtel fest verwachsen ist. Darüber befindet sich eine dünne Hornschicht aus Keratin (lat. Scuta).

Weichschildkröten bilden eine Ausnahme: Bei den Weichschildkröten ist diese Hornschicht lederartig. Gleich ist aber wiederum: Wenn die Tiere wachsen, wächst die Haut nicht mit. Landschildkröten häuten sich schuppenweise, das können einzelne Schuppen oder auch mehrere Schuppen auf einmal sein. An den Beinen und am Hals löst sich die Haut in Fetzen. Der Panzer jedoch wächst mit und über die Jahre hinweg kann man an den Wachstumsfugen erkennen, ob die Schildkröte zu trocken oder zu warm gehalten oder falsch ernährt wurde.

 

 

Aber (und jetzt muss leider der erhobene Finger kommen), es ist vor der Anschaffung auch einiges zu Bedenken:

 

Schildkröten sind keine Haustiere

 

Anders als die üblichen domestizierten Haustiere sind Schildkröten Wildtiere. Es gibt keine Kuschelschildkröten. Sie gewöhnen sich zwar im Laufe der Jahre an uns Menschen, sind aber an keinerlei Körperkontakt (streicheln, knuddeln etc.) mit uns interessiert.

Sie sind Wildtiere und bleiben es zeitlebens. Die Tiere sind an ihre natürlichen Lebensräume (Biotope/Habitate) durch die Evolution perfekt angepasst und hierdurch gibt es für uns etliche Aspekte und Faktoren, die bei der Haltung berücksichtigt und umgesetzt werden müssen.

In ihrem natürlichen Lebensraum (Biotop/Habitat) haben die Tiere zahllose Versteckmöglichkeiten zur Verfügung, die wir in menschlicher Obhut meistens nur bedingt, andere Ansprüche sehr oft nur mit technischem Aufwand, z.B. Sonnenplatz und Wärmequelle, realisieren können. Oftmals sind durch das spärlichere und zum Teil äußerst geringe Platzangebot häufige Revier- und Machtkämpfe zu beobachten, die in freier Natur so nicht stattfinden, da sich die Tiere dort aus dem Weg gehen können. Fehlerhafte Haltung bedeutet für die Tiere starken Stress, der sich in unterschiedlichsten Formen auswirken kann. Manche Tiere werden apathisch oder ängstlich und ziehen sich permanent zurück und in den schlimmsten Formen führt das sogar zum vorzeitigen Tod. Unter Stress leidet das Immunsystem. Dies führt sehr häufig zu Anfälligkeit für Krankheiten und Parasitenbelastung. Daher ist es unabdingbar, Einrichtungen zur Haltung immer großzügig und mit genügend Ausweichmöglichkeiten zu gestalten.

(Quelle: Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien)


 

 

Minischildkröten?

 

Unter diesem Punkt möchten wir einen Hilferuf aller Auffangstationen, Tiergärten, Tierheime, Zoologischen Gärten sowie auch Schildkröten-Stammtische weiterleiten, die sich leider immer mehr mit der Aufnahme und Weitervermittlung von zu groß gewordenen Tieren beschäftigen müssen: Bitte informieren Sie sich vor der Aufnahme eines Tieres über die Endgröße der Art. Minischildkröten gibt es nicht, auch wenn das immer wieder von Händlern behauptet wird. Ebenso wenig passen sich die Tiere an die Größe ihres Behälters an.

Haltungsansprüche

 

Der vorhergehend besprochene Punkt „Minischildkröten“ bringt uns zu einem wichtigen Thema: Welche Schildkröte hat welche Ansprüche an Gehege, Temperatur, Licht und Futter? Eine erfolgreiche Haltung wird immer auch davon abhängen, wie gut wir über unseren zukünftigen Pflegling informiert sind. Dieses Wissen kann man für die häufig gepflegten Arten z. B. den Haltungsrichtlinien der schweizerischen SIGS entnehmen. Aber auch die Haltungsberichte und diverse Webseiten engagierter Züchter und Vereine geben hierzu wertvolle Hinweise. Im Sinne einer artgerechten Pflege sollte man sich aber auf jeden Fall für eine Art entscheiden, deren Ansprüche sich mit den vorhandenen Mitteln verwirklichen lassen.

Um Ihnen trotzdem einen schnellen Überblick zu ermöglichen, haben wir an dieser Stelle die aus unserer Sicht wichtigsten Haltungsansprüche für die diversen Schildkrötenarten in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Tabelle dient nur zur ersten Orientierung und ersetzt nicht das ausführliche Studium der Haltungsansprüche der ausgewählten Art!

 

 

HerkunftÜberwinterung
Sommerruhe
Terrarienhaltung
Freigehege
Europajaneinnur Übergangszeit
ganzjährig
Mittelasien
ja
ja
nur Übergangszeit
ganzjährig
Nordafrika
nein
ja
ganzjährig
Hochsommer
Südafrika
nein
ja
ganzjährig
Hochsommer
Südostasien
nein
nein
ganzjährig
Hochsommer
Nordamerika
ja
nein
ganzjährig
Hochsommer
Südamerika
nein
nein
ganzjährig
nein

Jahreszeiten

 

Die Natur hat Jahreszeiten, die in den unterschiedlichen Herkunftsgebieten unserer Pfleglinge unterschiedlich ausfallen. Daher ist das Informieren über die jeweiligen klimatischen Bedingungen nicht nur eine Gewissenssache, sondern geradezu Notwendigkeit.

Die meisten Arten, z.B. Europäische Landschildkröten und Nordafrikanische Landschildkröten, halten unterschiedliche Formen von Ruhezeiten. Einige gehen in die Winterruhe (Hibernation), andere halten eine Sommer- oder Trockenruhe (Aestivation), auch sind besonders bei Tieren aus tropischen Regionen Regenzeiten zu berücksichtigen. Dazu kommt, dass man nicht vergessen darf, dass die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel der Erde genau gegensätzlich von denen auf der Nordhalbkugel sind; wenn wir Sommer haben, dann ist es beispielsweise in Südafrika oder Südamerika Winter.

Daraus resultiert, dass die Jahreszeiten nicht nur für die Trocken-, Regen- und Ruhezeiten wichtig sind, sondern auch für das Futterangebot, denn das ist in den Tropen- und Wüstenregionen an die Jahreszeiten gebunden. Im Frühling und Herbst, sowie in Regenzeiten ist das Futterangebot für pflanzenfressende Tiere hoch, im Sommer bzw. in Trockenperioden hingegen spärlich und meist trocken. Auch diesen Jahresrhythmus gilt es zu imitieren. Ebenso finden wasserbewohnende Tiere nur saisonal Nahrung in Hülle und Fülle, wie z. B. proteinreiche Insektenlarven. Bedingt durch die saisonalen Jahreszeiten kann das Futterangebot im Ursprungshabitat sehr bescheiden ausfallen oder ganz fehlen. Deshalb sind Schildkröten darauf programmiert, jede verfügbare Futterquelle zu nutzen und alles in sich hineinzufressen, was sie finden können oder angeboten bekommen. Der artenentsprechende Jahresrhythmus der Nahrungs- und Paarungszeit muss in menschlicher Obhut simuliert (Winterruhe, Aestivation) werden, andernfalls kann es zu Fehlentwicklungen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Grundsätzlich sind Reptilien und somit auch Schildkröten von der Sonne, insbesondere der Sonnenscheindauer und Sonnenintensität, abhängig. Es finden u. a. komplexe Steuerungen über die Hypophyse statt, die von Helligkeit und Helligkeitsdauer beeinflusst werden. Daher ist es unverzichtbar, sonnenhungrigen Tieren eine qualitativ hochwertige (UV) Beleuchtung zuzugestehen, die dem Sonnenlicht gleich kommt, bzw. eine Freilandhaltung im ungefilterten Sonnenlicht zu bieten.

Ernährung

 

Neben der Simulation der Jahreszeiten spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für die artgerechte Pflege von Schildkröten in Menschenhand. Die Ernährungsansprüche der einzelnen Schildkrötenarten sind natürlich abhängig von der Lebensweise der jeweiligen Art. Hier kann das intensive Studium der verfügbaren Literatur, der Haltungsberichte und der Kontakt zu anderen Schildkrötenhaltern vor schwerwiegenden Fehlern bewahren. Speziell für die Ernährung der Europäischen Landschildkrötenarten hat der Schildkrötenstammtisch Rhein-Main eine Futterpflanzenbroschüre zusammengestellt und im Eigenverlag herausgegeben.

Freigehege / Terrarien

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Raum, welchen wir unseren Pfleglingen zur Verfügung stellen. An dieser Stelle möchten wir nicht in die Diskussionen zum Thema „Freilandhaltung vs. Terrarienhaltung von Schildkröten“ einsteigen, sondern Ihnen Wege zur optimalen Gestaltung der verschiedenen Lebensräume vorstellen.

 

 

Die wichtigste Aufgabe zur Gewährleistung einer artgerechten Haltung, ist die Erzeugung eines quasinatürlichen Mikrokosmos für die Schildkröten. Dies ist aber immer auch mit Kosten verbunden. Dazu mehr im nächsten Kapitel.

Kosten

 

Anhand der vorangegangenen Ausführungen zu den Haltungsansprüchen ist ersichtlich, dass die Pflege von Schildkröten sowohl räumlich, zeitlich und finanziell sehr aufwändig sein kann. Zum Anschaffungspreis (welcher von wenigen bis zu einigen tausend Euro reichen kann) kommen noch die Kosten für die Anschaffung des Behältnisses (Terrarium, Freigehege, Gewächshaus, Frühbeet), Beleuchtung (HQI-, UV-Lampen) sowie Filtersysteme und Heizungen (für die Wasser- und Sumpfschildkröten). In Abhängigkeit von der Zahl und Art der gepflegten Schildkröten und der jeweiligen Behältnisse kommen dann noch die Stromkosten hinzu. Eventuelle Tierarztbesuche sind ein weiterer zu berücksichtigender Kostenfaktor. Wir werden später im Jahr (Q2/2011) diesen Aspekt auf unserer Webseite detailliert beleuchten.

Ob es dann letztendlich eine Land-, Sumpf- oder Wasserschildkröte wird, liegt dann nur noch an den ganz persönlichen Vorlieben. In allen drei Gruppen gibt es Arten für jedweden Anspruch.

Bei einer zu erwartbaren Lebenszeit von bis zu 60 und mehr Jahren relativieren sich jedoch wieder die Kosten, da man zum Beispiel bei vorwiegend pflanzenfressenden Schildkröten kaum Ausgaben für Futter hat. In Relation zu den Futter- und Haltungskosten eines Hundes oder einer Katze mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren, ist eine Schildkröte auf die erwartbare Lebensspanne gesehen „deutlich billiger“.

Artenvielfalt I

 

Fast jede Art hat im Allgemeinen ihre eigenen innerartlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse sowie Reaktionen. Sie kann deshalb mit einer anderen Art unter Umständen nichts anfangen, da in freier Natur nicht x-beliebige Arten oder Unterarten zusammentreffen. Die Schildkröten haben sich hier den unterschiedlichsten Biotopen und ökologischen Nischen angepasst.
In einem Habitat findet sich meist nur eine Art oder Unterart. So können z. B. Testudo hermanni (Griechische Landschildkröte) mit den Rammstößen von Testudo graeca (Maurische Landschildkröte) nichts anfangen.
Allerdings gibt es Hybriden (Artbastarde), die durch Einschleppen oder Freilassen von Tieren entstanden sind. Ob sich daraus eigenständige Arten bzw. Unterarten entwickeln können/sollten, ist ein sehr komplexes Thema, das hier nicht weiter verfolgt werden soll.

Da es sich bei Schildkröten um artgeschützte Wildtiere handelt, sollte man darum bemüht sein, möglichst reinrassig zu züchten und Artbastarde durch Zusammenhalten zu vermeiden.
Die Frage, ob man mehrere Individuen einer Unterart einzeln oder in Gruppen halten sollte, wird momentan heftig diskutiert. Vorweg: Schildkröten sind zwar keine Rudeltiere, aber auch keine Einzelgänger im klassischen Sinn, deshalb sollten sie, insbesondere Schlüpflinge und Jungtiere, wenn möglich in Gruppen gehalten werden. Hierbei kann es immer auch zu Balz- und/oder Revierkämpfen kommen. Daher sind auch Möglichkeiten der separaten Unterbringung für einzelne Tiere stets in der Planung zu berücksichtigen.

 

Artenvielfalt II

 

In menschlicher Obhut ist selten ausreichend Platz gegeben, um dem einzelnen Tier einer großen Gruppe die Möglichkeit zum echten Ausweichen zu geben. Bei einem sehr großen, gut strukturierten Gehege mit vielen Büschen und Steinen als Sichtschutz kann eine Gruppenhaltung funktionieren. Zu beachten ist, dass ein Männchen niemals mit nur einem Weibchen vergesellschaftet werden sollte, da Landschildkrötenmänner dazu neigen, ein einzelnes Weibchen nie in Ruhe zu lassen und ständig anzubalzen und sich mit ihm paaren zu wollen. Das kann so weit gehen, dass das Weibchen durch den Stress oder tatsächlich sichtbare Balz- und Paarungsverletzungen stirbt. Mehrere Weibchen auf ein Männchen sind also bei der Gruppenhaltung unabdingbar. Mehrere Männchen müssen häufig wegen Unverträglichkeiten getrennt werden, da das unterlegene Männchen sich in der freien Natur zurückziehen könnte, dies in einem ummauerten Gehege aber nicht auf Dauer möglich ist. Auch mehrere Weibchen können sich so stressen, dass unterlegene Weibchen erkranken oder an Legenot sterben, weil das ranghöchste Weibchen den Eiablageplatz besetzt hält. Letztlich kann man nicht davon ausgehen, dass Tiere, die man willkürlich mit einer Art/Unterart zusammengesetzt hat, sich vertragen. Der Stressfaktor ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Beißen etc. ist kein Spielen, das ist bitterer Ernst und bedarf der Beachtung und des Handelns. Das bedeutet, es muss vom Platzangebot her möglich sein, die Tiere gegebenenfalls zu trennen und auch auf Dauer artgerecht einzeln zu halten! In der Gruppenhaltung ist also für ausreichend Platz, Struktur und Versteckmöglichkeiten zu sorgen. Müssen die Tiere getrennt gehalten werden, muss für jedes Tier ein eigener Sonnenplatz, eine eigene Höhle (Frühbeet), eine eigene Wasserquelle, ein eigener Eiablage- und Futterplatz zur Verfügung gestellt werden.

Vergesellschaftung Andersartiger mit Landschildkröten


von Achim Flamme, Bad Nauheim


Verschiedene Tiere oder Tierarten zusammen zu pflegen, stellt einen besonderen Reiz dar.

Zumal wenn diese möglichst aus einem ähnlichen Biotop oder gar auch schon in der Natur sympatrisch zusammenleben. Gerade bei Schildkröten stellt dies jedoch besondere Ansprüche dar. Voraussetzungen werden hierbei an die spezifischen Lebensansprüche der jeweiligen Arten gestellt. Letztendlich müssen hierbei sowohl gemeinsame klimatische als auch haltungstechnische Voraussetzungen erfüllt werden. Da es hier speziell um Schildkröten geht, sollten diese, ebenso wie auch ihre Mitbewohner, in parasitologischer Hinsicht entsprechend vorbehandelt sein. Selbst in der Freilandhaltung im Sommer lassen sich in einem hochstämmigen Bäumchen diverse Chamäleonarten (z.B. Bradypodion) halten. Das Ganze sollte unweit der ausladenden Äste mit einer glattwandigen Umrandung versehen werden. Gleichzeitig kann der der Boden als Felslandschaft gestaltet werden. Zusammen mit Blütenpflanzen und Sukkulenten bietet dieses diversen Echsen-Arten (z.B. Cordylus-Arten) optimale Bedingungen, da hier ungefiltertes Sonnenlicht zur Verfügung steht. Durch Blüten und zusätzlich aufgestelltes Obst lassen sich reichlich Futterinsekten anlocken und stellen eine im Terrarium nicht herzustellende Bereicherung dar.

 

Gute Erfahrung habe ich auch mit der Vergesellschaftung dreier Arten im Terrarium gemacht. Im vorderen Teil eines grösseren Terrariums wurden flache Steinaufbauten als Versteckplätze für z.B. Nachzuchten von Spaltenschildkröten (Malacocherus  tornieri) gestaltet, während im hinteren höheren Bereich einsehbare Steinplatten desgleichen Ursprungs mit Cordyliden besetzt wurden. Den  freien Luftraum habe ich mit begrünten Ästen versehen, auf denen sich Zwergchamäleons tummelten. Ähnliches. Auch das dortige Terrarium mit adulten Spaltenschildkröten ist so gestaltet, dass die Steinaufbauten im oberen Bereich noch Platz für Gürtelschweife zulassen. Vergleichbares kann man auch im würfelförmigen Terrarium der Pseudotestudo kleinmanni beonbachten. Während diese am Boden zusammen mit pflanzenfressenden Dornschwanzagamen (Agama uromastix acanthinura) vergesellschaftet sind, befindet sich auf zwei Seiten als Felsaufbauten gestalteten Rückwänden ein Lebensraum der Agame Laudakia stellio picea. Alles Arten, die den Nordosten Afrikas bewohnen und offenbar gut harmonieren.

 

 

Problematisch können jedoch auch die verschiedenen Futteransprüche der jeweiligen Arten sein. Bei der gemeinsamen Haltung von Schildkröten mit Chamäleons auf großflächigen Anlagen in der Winterhaltung, können sich die Futtertiere als Plage erweisen. Besonders praktisch hat sich hier die Idee erwiesen, Zwergwachteln einzusetzen, die eifrig den ausgebüchsten Krabbeltieren nachstellen und gleichzeitig auch noch eine lebendige Bereicherung der Anlage darstellen, da Schildkröten nicht immer sehr aktiv sind. So hat auch dieser Schildkrötenhalter gleichzeitig Nutzen und Attraktivität seiner Anlage praktisch gelöst.

So könnte man z.B. auch noch nachtaktive Geckoarten einbringen. Diese würden aber wiederum von größeren Chamäleonarten als Beute betrachtet.


Selbst eine sich unkontrolliert ausbreitende Heimchenplage in einem Schildkrötengewächshaus konnte, wenn auch unbeabsichtigt, mittels Ameisen erfolgreich bekämpft werden, da diese die abgelegten Eier der Heimchen auffraßen.

Was nun mit den vielen verbliebenen Ameisen anfangen?

Vielleicht auch ameisenfressende Krötenechsen (Phrynosoma) einsetzen ...?


Das natürliche Gleichgewicht lässt sich sicher nicht immer auf solch einem beengten Lebensraum optimal realisieren, da die Tiere oft spezielle Einmischungen bevorzugen.



 

 

 

 


 

 

 

 

Rechtliches

 

Haben Sie sich für eine Art entschieden, dann ist es jetzt an der Zeit sich über die rechtlichen Aspekte (die gibt es leider auch) der Schildkrötenhaltung in Privathand klar zu werden. Viele Schildkrötenarten (speziell die europäischen Landschildkröten) müssen angemeldet (Kauf), aber auch abgemeldet (Verkauf, Tod) werden. Fast alle unterliegen auch dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen. Dies bedeutet, in Abhängigkeit vom noch zu erklärenden Schutzstatus, dass diese Tiere der regionalen Umweltbehörde bzw. dem Regierungspräsidium gemeldet werden müssen. Hierzu wird die sogenannte EU-Bescheinigung, früher als CITES bekannt, benötigt. Über den unten stehenden Link gelangen Sie zur Abfrageseite. Hier können sowohl der Schutzstatus als auch die eventuell notwendige Behörde identifiziert werden.

 

Abfrage des Schutzstatus

 

Kaufen Sie keine Tiere ohne Papiere, auch wenn der Preis noch so verlockend ist.
Der Käufer wie der Verkäufer machen sich in so einem Fall strafbar und das Tier kann auch später noch von den Behörden beschlagnahmt und eingezogen werden.

Erwerb I

 

Nachdem der Schutzstatus der angedachten Art geklärt ist, geht es nun um die möglichen Arten des Erwerbs einer Schildkröte. Vor ungefähr 20, 30 Jahren war der Erwerb von Landschildkröten sehr einfach. Fast jede Tierhandlung verkaufte Landschildkröten für einen sehr geringen Preis als mehr oder weniger „Wegwerfartikel“ - die „berühmte Landschildkröte für 5,00 Mark“.

Viele der etwas älteren Generation hatten als Kind so eine Schildkröte und nur ganz wenige Tiere von damals sind auch heute noch anzutreffen. In den Tierhandlungen waren hauptsächlich Exemplare der Ostrasse der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) sowie der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca ibera) vertreten. Allerdings sind diese Zeiten schon lange vorbei.

Ende der 1990er Jahre kamen dann die schnell anwachsenden Reptilien–Börsen auf. Auf diesen Börsen konnte man mit ein wenig Glück von dem einen oder anderen privaten Züchter Tiere erhalten. Durch die zunehmende Kommerzialisierung, d.h. durch die verstärkte Teilnahme von reinen Händlern, ist es heut zu Tage allerdings schwieriger geworden, dort auch eine adäquate fachkundige Beratung und Hilfe zu finden. Zeitgleich mit den Reptilien-Börsen kamen auch die ersten Workshops und Treffen der einzelnen Regionalgruppen mit Schwerpunkt Schildkröten ins Laufen, wie beispielsweise Frankenthal und noch einige andere, auf die aber an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann.

Der Verein Schildkrötenfreunde Horst 95 e. V. wurde im Oktober 1995 in Gelsenkirchen-Horst von zehn Schildkröten-Fans gegründet. Reine Schildkrötenstammtische gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bei einem Treffen in Frankenthal wurde die Idee für den Schildkrötenstammtisch Rhein-Main geboren, aber das ist eine andere Geschichte.

Möchte man heute ein Schildkrötenbaby erwerben, ist es unerheblich, ob es sich um eine Europäische Landschildkröte, Exotische/Tropische Landschildkröte oder Sumpf- bzw. Wasserschildkröte handelt, es bleiben nur 2 Möglichkeiten!

 

--> Kauf auf Börsen, über Internetportale bzw. im Zoohandel:
Fast alle Zoohändler können Schildkröten von Züchtern beschaffen. Allerdings fällt dort die Möglichkeit der Auswahl weg, da der Händler meist nur so viele Tiere besorgt, wie er auch verkauft.

 

--> Kauf direkt beim Züchter
Wir bitten um diese Möglichkeit, da man dort zum einen in der Regel die Möglichkeit hat, sich sein Tier/seine Tiere unter mehreren Tieren auszuwählen.

 

 

Erwerb II

 

Zum anderen besteht der große Vorteil, sich direkt beim sachkundigen Züchter Anregungen bzgl. Haltung, Gehege und nicht zuletzt der zu erwartenden Tiergröße holen zu können. Bitte bedenken Sie, dass kleine oder junge Tiere immer „süß“ sind, aber wer hat schon einen erwachsenen Elefanten auf dem Balkon?

Auf was sollte ich beim Kauf einer Schildkröte achten?

Auf unserer Webseite finden Sie eine Liste von fach- und sachkundigen Züchtern, die aus dem Rhein-Main Gebiet stammen. Diese Züchter werden Sie auch gerne über ihre eigenen Erfahrungen mit Pflege und Zucht der Tiere informieren. Die allermeisten Züchter werden Ihnen auch ihre Gehege und die Elterntiere zeigen. So können Sie sich einen Überblick verschaffen, was die Tiere bei Ihnen benötigen werden, bekommen Anregungen zum Nachbauen und erfahren, was die Tiere bisher fressen durften.

Nach dem Kauf der Schildkröte muss dann, je nach Art, eventuell die Anmeldung bei der zuständigen Behörde erfolgen.

Tod einer Schildkröte

 

Trotz aller Bemühungen des Halters kann der Fall auftreten, dass eine Schildkröte nicht mehr zu retten ist oder eine Schildkröte im Gehege/Terrarium verstirbt. Im ersten Fall ist der Gang zum Tierarzt der richtige Weg.

Dies ist im Paragraph § 4 des Tierschutzgesetzes geregelt. Die Tötung des Tieres ist nur dem Fachmann, in diesem Fall dem Tierarzt, erlaubt! Meistens wird diese Entscheidung auch im Verlauf der tierärztlichen Untersuchung getroffen. Das Töten eines Tieres durch den nichtfachkundigen Tierhalter ist nicht erlaubt.

Der Tierarzt hat als beruflicher Fachmann für die Euthanasie des Tieres vorhandene fachliche Empfehlungen oder Vorgaben zu beachten. Diese betreffen die Substanzen, die den schmerzlosen Tod, meistens nach einleitender Narkose, nach sich ziehen. Und sie betreffen die Anwendungsarten (Applikationswege), die für jedes Mittel empfohlen werden. Es ist nicht sinnvoll, eine Schildkröte durch Unterkühlung (Gefrieren) zu töten. Diese Methode beeinflusst den allgemeinen Stoffwechsel, nicht jedoch die Schmerzzentren, d. h. für weitergehende Untersuchungsschritte (Sektion) ist weder der Tod noch die Schmerzfreiheit erreicht.


Zur "Entsorgung" der toten Schildkröte ist lt. § 4 des Tierschutzgesetzes ebenfalls der Tierarzt berechtigt; er weiß, wie ein totes Tier “unschädlich beseitigt” werden kann (das ist die Fachbezeichnung für die Entsorgung). Das möglicherweise infizierte Tier darf auch als Kadaver die Infektion nicht verbreiten!

Danksagung

 

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Schildkrötenliebhabern (ob Laie oder Fachmann) für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieses und der verknüpften Artikel bedanken. Ohne die Mitwirkung dieser Menschen wäre es uns nicht möglich gewesen, diese Mengen an Information zu der Vielzahl von Themen zusammenzutragen und diese in einen gemeinsamen Kontext zu stellen.

Besonders hervorheben möchten wir aber auch noch einen weiteren Aspekt dieser Unterstützung: Es handelt sich nicht um eine einmalige Aktivität! Alle Beteiligten werden auch weiterhin mitarbeiten, damit wir Ihnen gemeinsam die aktuellsten Informationen zur Haltung und Pflege von Schildkröten präsentieren können.

 

 

Autoren:

 

Achim FlammePhilipp Krug
Isabel Grefen
Werner Pfeiffer
Helge HoffmannUdo Schews
Gerd Königsmann